Kressbronner Allmende

Kressbronn Bachtobel Konzept Kepler 32

Quartiersentwicklung Bachtobel. Kressbronn am Bodensee

Städtebaulicher Wettbewerb

Auslober:
Gemeinde Kressbronn am Bodensee

Bearbeitungszeitraum:
September bis Dezember 2019

Kooperationspartner:
URBANOPHIL.KOELN 

Ergebnis:
2. Rundgang

Modellbau:
Kepler 32
Urbanophil.Koeln

Siehe auch:
Competitionline-Beitrag

Kressbronn Bachtobel Lageplan Kepler 32Kressbronn Bachtobel Lageplan Kepler 32

Kontext

Seit dem Mittelalter prägte den Bodenseeraum eine alte Form der gemeinschaftlichen Landnutzung, die Allmende, abgeleitet von mittelhochdeutsche "allmeinde". Ein Teil der Feldfluren und Weideflächen befand sich im Besitz der Dorfgemeinschaft, jedes Mitglied der Gemeinschaft hatte das Recht zur Nutzung. Diese Tradition wurde im 18. und 19. Jahrhundert zugunsten einer intensiveren Landwirtschaft zurückgedrängt.

Heute kennen wir die mit der intensiven Landwirtschaft verbundenen negativen Folgen einer Übernutzung unserer Landschaft: Monokulturen begünstigen Bodenerosion und den Rückgang kulturraumprägender Tier- und Pflanzenarten. Anders als bei alten Streuobstwiesen ist auf modernen Plantagen Pflege und Ernte von Obstbäumen für die Bevölkerung nicht mehr erlebbar. Da die Versorgung der Region mit Obst mehr als ausreichend ist, kann zukünftig über eine Abkehr von intensiver Plantagenwirtschaft nachgedacht werden. An die Stelle der kommerziellen soll im neuen Quartier wieder die gemeinschaftliche Nutzung der Obstbäume treten, anknüpfend an die Tradition der Allmende.

Kressbronn Bachtobel Grünkonzept Kepler 32

Städtebauliches Konzept

Das Gebiet des Bachtobels wird derzeit als Apfelplantage bewirtschaftet. Für das neue Quartier müssen die bestehenden Obstbaumreihen dort gerodet werden, wo Bebauung oder Erschließung entstehen. Das landschaftsprägende Element der Obstbaumspaliere bleibt charakteristisch für die Freiraumgestaltung des neuen Quartiers. 

Das neu geschaffene Quartier besteht aus zwei unterschiedlichen Bestandteilen, die sich sowohl in ihren Nutzungen als auch in ihrer städtebaulichen Typologie unterscheiden: Das Wohngebiet ist nach einem orthogonalen Raster entwickelt, welches ein kompaktes Quartier rund um einen zentralen Platz schafft und eine effiziente Ausnutzung der kostbaren Freiflächen gewährleistet.

Die Gemeinbedarfsnutzungen dagegen befinden sich in drei frei angeordneten Höfen, die in den Grünraum der Allmendgärten eingebettet sind und so die ortstypische Bauweise (große Häuser mit mächtigen Satteldächern um locker gruppierte Hofanlagen) entlang der Friedrichshafener Straße fortsetzen.

Kressbronn Bachtobel Schnitte Kepler 32

Die Allmendgärten

Kernstück des neuen Quartier bildet der zentrale Grünraum der Allmendgärten. Sie verzahnen den nach Norden anschließenden landschaftlich geprägten Freiraum mit dem neuen Wohngebiet sowie den neuen Gemeinbedarfsnutzungen an der Friedrichshafener Straße. Östlich binden sie über Tettnanger Straße hinweg an den Friedhof an, wodurch ein zusammenhängener Grünzug bis in die Ortsmitte entsteht. Am renaturierten und offengelegten Bachlauf entsteht ein naturnaher Naherholungsraum. 

An vielen Stellen kann die lineare Struktur der Obstbaumpflanzungen erhalten werden. Sie werden im Sinne der Bewegung "Essbare Stadt" zu einem gemeischaftlich bewirtschafteten Nutzgarten für Kressbronn umgewidmet. Ein Wasserspielplatz am renaturierten Bachlauf, ein Waldspielplatz unter Bäumen im Norden und weitere Sandspielplätze sorgen für ein vielfältiges Spielangebot.

Gemeinbedarfsnutzungen

Entlang der Friedrichshafener Straße werden die Gemeinbedarfsnutzungen angeordnet, die von gesamtörtlicher Bedeutung sind, aber auch den Bewohnern des neuen Quartiers zugute kommen. Sie werden in Form von drei Höfen ausgebildet. Die Höfe erhalten jeweils eigene Identität durch die versammelten Nutzungen. So wird zum Beispiel im Hof der Gesundheit dem Ärztehaus eine Apotheke und eine Bäckerei mit Café hinzugesellt. 

Kressbronn Bachtobel Grundrisse Kepler 32

Wohnen

Das Wohngebiet erhält einen Kern aus Mehrfamilienhäusern im genossenschaftlichen Wohnungsbau, welcher sowohl dem Quartiersplatz als auch der Tettnanger Straße eine angemessene räumliche Fassung gibt. Im Erdgeschoss eines der Wohngebäude am Quartiersplatz kann ein Nachbarschaftstreff eingerichtet werden, der zur Belebung der Quartiersmitte beiträgt. Im südöstlichen Bereich entsteht ein weiteres Mehrfamilienhaus als Bauherrenmodell.

An den zum Freiraum orientierten nördlichen und südlichen Erschließungsstraßen befinden sich, wie an einer Perlenkette aufgereiht, Einfamilienhäuser in unterschiedlichen Bautypen: Als Reihenhäuser, als Doppelhäuser und - am Übergang zum Freiraum - auch als freistehende Einfamilienhäuser. So entsteht - zusammen mit dem sozialen Geschosswohnungsbau in der südlichen Gemeinbedarfsfläche - ein vielfältiges Wohnquartier für verschiedene Bewohnergruppen.

Wohnungsmix

Die Wohnbebauung hält innerhalb der ruhigen Kubaturen eine Vielzahl verschiedener Grundrisse bereit. Mit 1,5-, 2-, 3-, und 4-Zimmer-Wohnungen können vielfältige Wohnungsgrundrisse für diverse Zielgruppen erzielt werden. Die einfach strukturierten Typologien erlauben dies bei gleichzeitiger Sicherstellung einer kostengünstigen Umsetzung.

Kressbronn Bachtobel Modell Kepler 32

Modell